Die Umrundung von Mallorca – der Törnbericht

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Die Umrundung von Mallorca – der Törnbericht

Im Juli haben wir mit diesem gecharterten Segelboot Mallorca umrundet. Für jeden Tag habe ich ursprünglich eine separate Seite erstellt, auf der ich die Erlebnisse des Törns in einem Törnbericht dokumentiert habe. So bleiben unsere Erinnerungen erhalten und Ihr habt die Chance unsere Erlebnisse zu lesen. Hier habe ich nun aber alles zusammengefasst, um es besser lesbar zu machen.

Es war eine fantastische Reise mit einer Menge Orte und Personen, die wir kennen gelernt haben. Gelernt haben wir eine Menge in Sachen Segelpraxis. Beispielsweise zur richtigen Sekunde mal einen Fender zwischen zwei Boote zu halten, oder dass das Ankern vor der Küste vom Ballermann durchaus gefährlich sein kann, da es ein paar Motorboote gibt, die gerne mal schauen, was auf einem vermeintlich verlassenen Segelboot alles zu holen ist.

Die komplette Umrundung auf einer Google Maps Karte hier.

unsere Yacht

Wir werden unser Abenteuer mit einer Bavaria 41 Cruiser bestreiten.

Modell Typ
Bavaria Cruiser 41
Kategorie
Bareboat Einrumpf
Werft
Bavaria
Revier
Balearen
Zeitraum
Sommer
Heimathafen
Palma de Mallorca

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Länge über alles 12,35 Meter Tiefgang 2,05 Meter
Breite 3,96 Meter Verdrängung 8,9 Tonnen
Wassertank 360 Liter Kojen 6
Kabinen 3 Nasszellen 2
Motorleistung 30 PS Masten 1
Vorsegel Rollfock Großsegel Lattengroß
Motorenanzahl 1 Steuerung Doppelrad
Yachtname Leander Flagge DE
Treibstoffart Diesel Kraftstofftank 210 Liter

 

Sicherheitsausrüstung Navigation Sonstiges
Rettungsinsel, Pannendienst auf See, GMDSS-Funk, Automatikwesten, EPIRB, Sicherheitsnetz, Lifebelts, Rettungsring, UKW-Sprechfunk, Blitzboje, Satz mit Notsignalen, Taschenlampe, Verbandskasten, Notpinne, Bootsmannstuhl, Navigationslichter GPS, Autopilot, Instrumente im Cockpit, Farbplotter, AIS Kartenplotter, Echolot, Logge, Windmessanlage, Windex, Kompass, Seekarten, Hafenhandbuch, Uhr, Barometer, Fernglas, Handpeil-Kompass, Flaggen QNC Bimini-Top, Sprayhood, Außenlautsprecher, Beiboot mit Aussenborder, Elektrische Ankerwinde, Warmwasser, Heizung, Inverter, Safe, MP3, Lazy-Jacks, Kühlschrank, Cockpit-Tisch, Batterieladegerät + Landkabel, Steckdose 12 Volt, Steckdose 220 Volt, Badeleiter, Heckdusche, Pantry komplett, Gasherd, Gasflasche, Bordwerkzeug, Amtliches Bootszeugnis, Backofen

 

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Unsere Yacht liegt am Marina Naviera Balear. Die Marina liegt neben der Marina Alboran im Hafenbecken von Palma an der Promenade und nicht weit vom Zentrum. Die Marina verfügt über ca. 110 Liegeplätze mit Wasser- und Stromanschluss. Die kleine Marina liegt direkt gegenüber dem TRYP Bellver Hotel an der Uferpromenade, in der Nähe des Stadtzentrums vom Palma. Die Marina Alboran wurde erst im Jahre 2004 neu errichtet. Zur Hafenanlage gehören Sanitäranlagen mit Dusche und WC sowie eine kleine Tankstelle für Yachten. Die Basis – Bürozeiten auf der Marina sind täglich von 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr.

In wenigen Minuten zu Fuß sind Sie im Stadtzentrum von Palma mit Supermarkt, Restaurants, Banken, Post und vielen anderen Einkaufsmöglichkeiten.
Marina Naviera Balear – Koordinaten: 039° 34´07´´ N 002° 37´58´´ E

Die Yacht haben wir mithilfe vom Adriatic Sailingteam bei Mola Yachtcharter gechartert.

Mehr zur Yacht hier.

Vorbereitung

Bevor wir in See stechen, kommen wir erstmal an unserem Boot an. Unsere Anreise mit dem Flugzeug der Germanwings ab Köln-Bonn verlief reibungslos, bis auf die Tatsache, dass der Herr neben uns einen latenten Geruch von seinen Füßen abgab. Ich dachte mir „eat glitter in der morning and shine all day“ und versuchte den Geruch zu vergessen, was Yvonne nicht immer gelungen ist. Vor dem Flug zeigte mir Yvonne ihr neues iPhone 6. Heroisch versuchte ich mit einer Schere ihre SIM Karte klein zu schneiden (Gute Idee so 5 Minuten vor Abreise) und scheiterte. Samt Tesa-Film habe ich die SIM Karte wieder ins alte Telefon eingebaut und somit einen Task für später gesammelt.

Mit dem Taxi ging es nach Palma, wo wir in unserem Hotel eincheckten. Da es schon spät war, sind wir direkt in die Stadt gegangen, um etwas zu Abend zu essen. Wir fanden das Restaurant Ta Tsu, welches sehr einladend aussah. Eigentlich wäre ich gerne ins Forn gegangen, jedoch waren die – wie immer – ausgebucht.

Das Ta Tsu war toll. Guter Service, leckere Gerichte. Super Tapas.

Am Morgen bin ich dann vom Hotel in einer Laufrunde zu unserem Boot gelaufen. Da lag es. Friedlich und bereit für unseren großen Trip. Da ich mich auf dem Charterstützpunkt nicht auskannte versuchte ich unbemerkt zu bleiben und ging lieber wieder schnell.

Ich bin dann erst einmal wieder zurück zum Hotel gelaufen und habe mit Yvonne gefrühstückt. Während dessen habe ich unser WiFi/MiFi System in Gang gesetzt, sodass wir während des Trips dauerhaft WLAN auf dem Boot hatten. Dazu habe ich einen Router von TP-Link und eine SIM Karte von Three genutzt, die ich bei SimlyStore gekauft habe.

Danach sind wir ein wenig durch Palma gelaufen, da Yvonne die Stadt noch nicht gesehen hat.

Nun aber ab zum Boot. Anton von MBS-Charter erwartete uns am Charterstützpunkt und übergab uns die Yacht. Entgegen meiner Planung die Yacht bis Samstagabend auf dem Wasser halten zu könnten, sagte er uns, dass wir Freitag um 17:00 wieder im Hafen von Palma sein müssten, da dann die Taucher kommen, um zu checken, ob etwas kaputt gegangen ist. Meine Laune sank auf -200. Ich bat Anton zu checken, ob die Taucher nicht auch am Samstag kommen könnten. Yvonne zog zum ersten mal in Erwägung doch nicht nach Ibiza zu fahren, sondern einfach Mallorca zu umfahren. Auch meine Gedanken drehten sich um diese Ernüchterung, da es alles in allem entspannter schien.

Wir gingen einkaufen. Der nächst gelegene Mercadona liegt ca 400 Meter entfernt vom Stützpunkt. Wenn man allerdings bepackt mit zwei mit Wasser beladenen Einkaufswagen durch die Straßen eiert, sind 400meter ganz schön weit. Den Höhenunterschied kann man dankenswerterweise durch den Fahrstuhl der nahe gelegenen Tiefgarage überwinden. Da das sonst nirgendwo steht, schreibe ich es mal auf.

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Gegen 18 Uhr waren wir dann bereit zum ersten Auslaufen. Unsere Yacht war in einer ziemlich kleinen Parkbucht, aber wir wollte dort heroisch ausfahren. Trotz achterlichen Wind von Steuerbord. Natürlich wurden wir auf die andere Seite gedrückt, wo man uns aber half wieder los zu kommen.

ausfahrt

Die erste Hürde war also geschafft und wir konnten raus aus dem Hafen. Ich habe erst beim Lesen einiger Lektüren im Vorfeld erfahren, dass Palma de Mallorca der dritt größte Yachthafen der Welt ist. Es dauert daher einige Zeit, bis man bei reduzierter Geschwindigkeit von seinem Liegeplatz an der Außenmole des Hafens angekommen ist.

Da lag es nun vor uns. Das Mittelmeer. Wir freuten uns, waren wir endlich in der Wärme und konnten die untergehende Sonne geniessen. Unter Motor testeten wir ein wenig das Boot, wendeten, steuerten und entschlossen uns dann wieder zurück zu fahren. Wir waren nämlich doch ein wenig erschöpft vom Tag. Am Abend ging es dann wieder ins Ta Tsu. Lecker.

Gelernt habe ich, dass die Vorbereitung eines Segeltrips das A und O ist. Nicht nur hinsichtlich der Bevorratung, sondern auch die exakte Absprache mir dem Vercharterer. Ebenso habe ich gelernt, dass der Tag der Ankunft gerne mal mit Einkaufen, Boot bestücken und Bevorratung aufgefressen werden kann. Wer schnell auf See möchte, sollte demnach bestens vorbereitet sein.

Sonntag auf Mallorca

Am Sonntag war es dann soweit. Wir kommen raus aus Palma. Nachdem wir noch einmal mit Anton gesprochen haben, sind wir sicher, dass wir nach Port d’Andratx fahren wollen. Zum einen wäre Port d’Andratx am nächsten an Ibiza dran, zum anderen würde uns der Hafen auch der Umrundung 10sm einsparen. So oder so ein Gewinn und die anderen beiden können mit dem Taxi einfach eine Ehrenrunde drehen.

Um 11:46 kommen wir endlich aus dem Hafen heraus. Insgesamt legen wir 27.1sm zurück. Ziemlich ordentlich für den ersten Tag. Wir haben die Strecke genutzt, um ein paar Übungen wie Kurs halten, Wenden, Halsen, Segel setzen, Segel bergen durchzuführen.

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Alles schien bestens bis zu dem Punkt an dem wir in den Hafen von Port d’Andratx einliefen. Der ablandige Winde frischte ein wenig auf und wir fuhren rückwärts an den Steg. Da wir die Mooringleine nicht richtig packen konnten, waren wir gezwungen einen weiteren Anlauf zu nehmen. Soweit kein Problem. Beim verlassen der Box kam allerdings jemand, der glaubte sich die Box sofort nehmen zu können. Ergo fuhr er mit einem Motorboot hinein und blieb dort stehen. Mit einer Art Sprudelkiste – getrieben von angenommenen hunderten von Seitenrudern – hielt sich das Boot auf Position. Die 2-Mann, bzw. ein Mann und eine Frau Crew legte gefühlte 10 Fender aus und versuchte sich festzumachen. Es kam ein Marinero an Bord um ihnen dabei zu helfen. 10 Minuten vergingen, 15 Minuten vergingen. Wir trieben im Hafenbecken umher.

Dann wurde es mir zu bunt und ich nahm die Box neben der Sprudelkiste, die immer noch nicht fest war. Als das Sprudelkistenpärchen und kommen sah, holten sie weitere 10 Fender an Deck und packten sie auf unsere Seite. Nun war es ein Sprudel-Michelinmännchen. Egal. Ich wollte anlegen.

An den Steg kamen wir, allerdings fluchte die Sprudel-Crew auf uns herum. Da es französisch war und ich es nicht verstand, ignorierte ich es mal und machte und fest. Dachte ich. Leider war die Mooring Leine zu kurz, sodass wir maximal das dünne Seilchen an die vordere Klampe bekamen. Der Steg füllte sich langsam mit Ratschlaggebern, die nun wahlweise auf Commander Sprudel oder mich einredeten. Sprachen taten nichts zur Sache.

Es kam jemand an Bord um mir zu helfen die Leine dichter zu holen. Half aber nichts. Sie war zu kurz. Alle anderen Ratschläge halfen nichts. Weil der gute Mann neben uns aus mir unerklärlichen Gründen sein Boot nicht festmachen konnte, rauschte er mit seiner Kiste wieder ab. Am Steg tauchte plötzlich ein anderer Mann auf der sagte „Man, you are in deep chaos“. Ja, so fühlte ich mich, denn die Mooring vorne war immer noch nicht fest und unsere Yacht wurde dauernd vom Wind zur Seite getrieben.

Der Mann gab uns den Tipp einfach unser Boot auf den Platz der Sprudelkiste zu legen, da dort die Mooringleine länger sei. Gesagt getan und runde 5 Minuten später waren wir fest.

Erschöpft gingen wir duschen und suchten uns ein Restaurant. Wir machten es uns im Miramar gemütlich. Kurze Zeit später kamen Peter und Peggy mit dem Taxi zur Marina. Bei einem Willkommensgetränk haben wir uns dazu entschieden, aufgrund der möglicherweise verkürzten Fahrt „nur“ Mallorca zu umrunden. Ich fing daher an Wetter, Häfen, Buchten, Wegpunkte, Fahrtzeiten, Ausweichmöglichkeiten und sonstige Risiken zu studieren. Wir waren alle ziemlich müde und sind daher auch schnell in die Kabinen verschwunden.

Montag – Törnbericht von Andratx nach Soller

Am Montag waren wir zum ersten Mal an einem Morgen zu viert an Bord. Der Tag begann mit der üblichen Dusche, gefolgt von einem ausgiebigem Frühstück, haben Yvonne und ich doch eine Menge Vorräte in Palma eingekauft.

Es war ein herrlicher Tag! Wir diskutierten noch einmal, ob wir nahebei Malle bleiben sollten, oder doch noch rüber fahren sollten, haben uns dann aber an diesem Montag Vormittag für Mallorca entschieden, da uns dies alles in Allem entspannter aussah.

Auf der westlichen Seite Mallorcas wollten wir eine Reise nach Puerto de Soller antreten, da es auf unserer geplanten Route rund um Mallorca  der am nächsten gelegene Hafen ist. Mit 25 Seemeilen ist die Distanz bei guten 5 Knoten auch in 5 Stunden zu meistern, dachte ich.

Die Voraussage für Wind und Wellen war überschaubar. Gemäß allen möglichen Wetterstationen durften wir mit BFT 1 rechnen. Also raus aus dem Hafen und Segel setzen. Und feststellen, das GAR KEIN WIND vorherrscht. Nichts. Die See war wie eine Badewanne. Ohne Wind und Wellengang konnten wir durch die fantastisch klare See bis auf den Grund schauen, was bei Wassertiefen von 15 Meter schon ein echt tolles Schauspiel ist.

Wir fuhren zwischen Sa Dragonera und Mallorca durch die See und hofften, dass Sa Dragonera nur ein wenig Wind abhalten würde. Vergebens. Also haben wir konsequent die Segel runter geholt und motorten in Richtung Puerto de Soller.

Knapp 7 Seemeilen vor unserem designiertem Ziel haben wir Halt an der Cala de Valdemossa gemacht. Der Anker war schnell ins Meer gelassen, sodass wir in das extrem warme Meer springen konnten. Ein großer Spaß. Wir sind sogar von dort bis in den Hafen von Valdemossa geschwommen.

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Nach einer kleinen Abkühlung (oder war es gar keine?), haben wir den Anker wieder eingeholt und sind in Richtung Puerto de Soller gefahren. Dort teilte man uns mit, dass der Hafen voll sei und wir noch einmal gegen 20 Uhr anfragen sollten, ob wir rein kommen könnten. Also sind wir ein paar Kabellängen weiter nördlich in eine wenig geschützte Micro-Bucht gefahren, um dort zu Abend zu essen.

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Mit dem Funkgerät haben wir von dort aus auch um 20 Uhr den Hafen von Soller anfunken können, um zu erfragen, ob man uns hinein lassen würde. Würde man nicht. Also hatten wir die erste Nacht in einer Ankerbucht vor uns.

Ein kleines Studium der Karte verriet mir, dass ca 5 Seemeilen nördlich die Bucht Sa Calobra liegen würde, welche einigermaßen geschützt war. Ich wollte keine Zeit verlieren und habe schon mal den Motor angestellt, während sich alle anderen um die Backschaft kümmerten. Plötzlich tauchte etwas Schwell auf und brachte das Boot zum Rollen. Die Backschaft musste warten, da sich die Crew nicht mehr in der Pantry aufhalten wollte. Yvonne kaute ein Superpep (macht nicht müde) und schlief kurz danach ein. Alle anderen konnte ich davon abhalten, ein solches Kaugummi zu kauen.

Es wurde dunkler. Der Sonnenuntergang war, um es in ein Wort zu fassen, SAGENHAFT!

Wir kamen in die Nähe von Sa Calobra. Es war dunkel. Stockdunkel. Haben wir unseren Törn doch zu einer Zeit durchgeführt, in der der Mond nicht zu sehen war. Ich bat die Crew mit einer Taschenlampe die Gegend abzuleuchten. Nicht in meine Augen. „Was?“ Die kommenden zwei Minuten war ich de facto blind.

Wir erspähten eine große Motoryacht an der Einfahrt zur Bucht. Diese war hell erleuchtet, was uns einen guten Anhaltspunkt gab. Dann half natürlich auch das GPS. Von Radar sprachen wir nur, wenn wir uns etwas wünschten. Am Ende der Bucht lag ein Leuchte-Toni mit einer großen Dufour. Mast komplett beleuchtet. Gemäß GPS war noch Platz zwischen Toni und der Steilwand. Als wir näher heran fuhren, kam dann auch der hinter Toni liegende Kapitän auf die Idee sein Ankerlicht einzuschalten. Also blieben wir vor Toni und suchten einen geeigneten Platz.

Gefunden. Ich bat Peggy und Peter den Anker runter zu lassen, während Yvonne die Tiefe checkte und ich mich darum kümmerte die richtige Position zu halten, bzw. langsam zurück zu fahren. Nachdem die geplante Länge an Ankerkette ins Wasser gelassen wurde, fragte ich, wie es vorne aussehen würde. Es blieb still. Die beiden fummelten an der Kette herum. Dachte ich. Dann überkam mich ein sehr ungutes Gefühl. Es stellte sich heraus, dass die beiden nicht an der Ankerkette herum fummelten, sondern sich vielmehr fragten, wie sie mir erklären würden, dass es keine Ankerkette mehr an Bord gab. Während meine Gedanken um die Frage kreisten, ob ich nicht ausdrücklich kontrolliert habe, dass die Kette mit einem Seil an einem Haken befestigt war, dachte ich schon daran wieder nach Soller zu fahren, da wir ja keinen Anker mehr hatten.

Die Kette war aber mit einem Seil befestigt, sodass die beiden die Kette wieder in die Winsch fummeln konnten und wir unser Ankermannöver fortsetzen konnten. Wir waren fest. Das Schiff schwojte. Alles Bestens. Ich habe noch schnell einen Ankerwarner eingeschaltet, um dann den lieben Rasmus dafür zu danken, dass er uns sicher in die Bucht geführt hat.

Unter freiem Himmel schliefen wir ein.

Dienstag – Törnbericht von Sa Calobra nach Alcudia

Ich wache auf und habe eine latente Panik im Kopf. Sind wir bereits havariert? Ich stehe auf. Gehe ins Cockpit und stelle fest: Nein, sind wir nicht. Wir liegen immer noch genau da, wo wir liegen sollten. Interessanterweise hat sich noch ein weiteres Boot zu uns gesellt. Oder hat der gute Skipper dort wohl auch vergessen das Ankerlicht anzuschalten? Wie dem auch sei. Es lagen 3 Segelboote und die riesige Yacht in der Bucht. Der kleine Strand war leer. Gespenstisch war die Atmosphäre fast. Also machte ich erst einmal einen Kaffee, während der Rest der Crew langsam wach wurde.

Wir machten uns Frühstück und genossen diesen wundervollen Beginn eines neuen Tages. Vom Schwell war in der Nacht so gut wie gar nichts zu spüren. Ich habe für meinen Teil zumindest fest geschlafen. Die Crew ebenso. Wir überlegten kurz, ob wir mir dem Dinghi zu dem kleinen Anlegeplatz fahren sollten, um zu schauen, ob es dort Brötchen gibt, haben uns dann aber mit dem begnügt, was wir an Bord hatten.

Danach haben wir einen kleinen Schnorchelausflug zum Strand gemacht. Von Oben siehr der Strand fantastisch aus. Martin Muth hat auf seiner Webseite http://www.bonanova-books.com/ ein wunderbares Bild vom Strand abgebildet, welches auch in seinem Buch Around Mallorca: Die Insel und das Meer von oben abgebildet ist. Gedruckt sieht es noch schöner aus.


zur Webseite von Martin Muth

Nach der Abkühlung am Morgen, haben wir uns auf den Weg nach Alcudia gemacht. Kurz nachdem wir raus aus der Bucht waren, stellten wir fest, dass der Wetterbericht mal wieder nicht gelogen hat und wir kaum Wind hatten. Dennoch wollten wir die Segel hissen. Unser Großfall hat sich allerdings um eine Saling gewickelt, sodass wir es erst einmal befreien mussten. Dazu haben wir endlich den Bootsmannstuhl einsetzen können.

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Nachdem wir die Segel gesetzt haben, sind wir dann aber erst einmal in Richtung Cala Clara unterwegs.

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Hier eine Zusammenfassung in einem kleinen Video.

Nachdem wir an der Cala Clara waren, haben wir uns direkt wieder ins Wasser begeben. Die große Motoryacht von der Nacht hat die gleiche Route genommen und an der Cala Clara die Jet Ski’s neben einer Menge anderem Spielzeug ausgepackt, mit denen wohl ein paar Besatzungsmitglieder herum gefahren sind. Wir ankerten und sprangen ins Wasser. Nach einer kurzen Abkühlung ging es dann weiter in Richtung Alcudia. Schliesslich hatten wir noch gute 18 Seemeilen vor uns.

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Die Einfahrt nach Alcudia war extrem einfach, ist Alcudia doch ein ziemlich großer Hafen. Entgegen meiner Port Andratx-Erfahrung, war das Anlegemannüver mit einer 4-köpfigen Crew ein Kinderspiel. Der Wind kam direkt vom Steg, sodass wir unter Berücksichtigung des Radeffektes sehr sauber in die schmale Parkbucht hinein kamen. Auch die Annahme der Mooringleinen und das Festmachen war kein Problem, dank der Crew.

Entgegen Palma und Port Andratx hat Alcudia jedoch keine üblichen Gardena- oder Schraubanschlüsse, sondern irgend ein Spezial-spezial….spezial. Natürlich kann man einen Adapter vor Ort für 9,- € erwerben.

Wir haben es uns am Abend in einem der Restaurants an der Promenade gemütlich gemacht und sind dann in unseren Kojen verschwunden.

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Mittwoch – Törnbericht von Alcudia nach Cala Ratjada

Trotz der Nähe zur Promenade konnten wir perfekt schlafen. Der Ankerplatz war extrem ruhig und gemütlich. Nach einem ausgiebigem Frühstück machten wir noch ein paar Besorgungen und etwas klar Schiff, da sich etwas Müll anhäufte. Danach ging es ans Ablegen. Wir hatten bereits etwas Erfahrung in der Crew gesammelt, sodass jeder schon mal besser wusste, was zu tun ist. Vor dem Ablegen haben wir die verschiedenen Strategien von „Vollgas und raus“ bis „schön langsam fieren und immer wieder zurück können“ besprochen und uns dann für letzteres entschieden, da so das Risiko überschaubar blieb.

Raus aus dem Hafen und rein in die nächste Fähre. Dass die Fähre zum Anlegen mitten im Fahrwasser wenden wollte, konnte ja nun wirklich niemand ahnen. Wir waren im Weg und der Kapitän der Fähre machte uns um diesen Umstand aufmerksam, sodass ich besser etwas mehr Gas gab und ihm ausgewichen bin.

An dieser heiklen Situation vorbei stellten wir fest, dass der Wetterbericht heute nicht so ganz Recht hatte, denn wir hatten mal mindestens drei Windstärken und setzten somit die Segel! Herrlich konnten wir in der Bucht von Alcudia in Richtung Cala Ratjada segeln. Während Navionics anzeigte, dass es sich teilweise um „Marine Reverve Area“ handelt, haben alle anderen Karten dazu nichts gesagt. Auch als ich am Hafen von Cala Ratjada den Marinero auf diesen Bereich ansprach, sagte er, dass man in diesem Bereich nicht Ankern sollte. Da wir ohnehin unter Segel voran kamen und auch andere Segler durch dieses Gebiet gefahren sind, habe ich mir nicht so viele Gedanken gemacht. Am Hafen habe ich dann aber doch gesehen, dass es sich um Naturschutzgebiet handelt.

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Kurz vor Cala Ratjada haben wir noch Halt in der Bucht von Cala Moltó gemacht. Peter holte seine LuMa’s heraus, die wir erst einmal aufpusteten. Peggy telefonierte während dessen mit dem Hafen von Cala Ratjada, um uns dort eine Parkbucht zu organisieren. Dort sagte man Ihr, dass sie keine Reservierungen vornehmen würden und wir uns ran halten sollten, da es schnell voll werden konnte. Somit konnten wir für 30 Minuten die LuMa’s nutzen, um uns dann mit Vollgas in den Hafen von Cala Ratjada zu begeben.

Dort angekommen machte uns der Hafenführer darauf aufmerksam, dass der Hafen zum einen extrem klein sei, es kaum Anlegeplätze geben würde, die Duschräume aufs Notwendige beschränkt waren und man nicht so nah an die Kaimauer fahren sollte. Alles in Allem alles andere als Einladend. Wir fuhren dennoch hin – und bekamen einen sehr schönen Anlegeplatz, der darüber hinaus auch noch der günstigste der Insel war.

Nachdem wir nahezu perfekt angelegt haben, kam die Crew der 2eternity of sweden zu uns, welche sich 2013 eine Bavaria Vision 42 zugelegt haben und damit nun im Mittelmeer rumschippern. Sie wollten mal schauen, wie eine Bavaria 41 cruiser aus 2014 von innen aussah. Nachdem sie unser Schiff von innen gesehen haben, waren sie mit ihrer Entscheidung eine Vision gekauft zu haben zufrieden. Nachdem wir deren Schiff von innen gesehen haben waren wir … neidisch 🙂

Die Begegnung war toll und ich habe mich darüber gefreut die erste Segelbekanntschaft mit „nichtnurvomStegAnweisungenGeben“-Seglern gemacht zu haben.

Abends waren wir noch etwas in einem der vielen Restaurants Tapas essen und sind dann ins Bett gefallen.

Donnerstag – Törnbericht von Cala Ratjada nach Porto Petro

Meine Begeisterung vom Urlaub lies mich mal wieder früher als alle anderen wach werden. Ich habe mir direkt meine Sachen gepackt und bin duschen gegangen. Die wenigen Fischer von Cala Ratjada waren zu diesem Zeitpunkt schon lange ausgelaufen. Im Hafen befanden sich allerdings jede Menge Spaßboote, die bereits von ihrer Crew vorbereitet wurden.

Als ich wieder an Bord kam, bereitete ich den üblichen Kaffee vor, während alle anderen langsam aufwachten. Wir begannen den Morgen mit unserem üblichen ausgiebigem Frühstück. Es war ein grandioser Morgen mit einem lauen Lüftchen und einer flachen See. Unsere Vorräte waren noch gut gefüllt, sodass wir nicht erst noch irgendwo an Land nach etwas zu essen suchten mussten.

Nach dem Frühstück machten wir unsere Yacht Seeklar und bereiteten auch uns auf die bevorstehende Sonne vor, indem wir und mit genügend Sonnenmilch versorgten. Die 2eternity of Sweden hat den Hafen bereits während unseres Frühstücks verlassen. Sie planten ebenfalls gen Süden zu fahren, um dann in der kommenden Woche nach Ibiza überzusetzen.

Wir wollten uns aber in der Bucht von Artà mit Andrea treffen. Also schauten wir uns nur zur Sicherheit die Großwetterlage an, bereiteten unseren Tagesplan vor und verliessen langsam aber sicher den Hafen von Cala Ratjada.

Wir fuhren bis zur Bucht S’Illot, wo wir dann versuchten Andrea ausfindig zu machen. Die Dinghi-Fahrt machte wie immer eine Menge Spaß, sodass wir wohlbehalten am Strand ankamen. Yvonne blieb an Bord, um sich dort zu entspannen.

Andrea, die ebenfalls auf Palma Urlaub machte, machten wir schnell aus und setzten uns mit Ihr in eine Bar. Nach dieser kleinen Visite sind wir wieder zurück zur Yachte gefahren. Peggy hatte die heroische Idee von Land zur Yacht zu schwimmen, jedoch verwarf sie diese, da sie ein wenig Panik vor den Banana-Boat-Fahrern hatte. Konditionell wäre es natürlich überhaupt kein Problem gewesen….

Wir holten fachmännisch, wie wir mittlerweile waren, unseren Anker wieder hoch und nahmen Kurs auf Porto Petro auf. Porto Petro ist ziemlich klein, hat jedoch ein sehr großes Bojenfeld. Während der Hinfahrt nahm Peggy den obligatorischen Kontakt mit dem Hafenmeister auf, der uns einen Liegeplat gegeben hat. Dort angekommen, begrüßte uns ein Marinero, der uns unseren Liegeplatz zuteilte. Yvonne war eigentlich sehr glücklich einen Liegeplatz zu haben, da Dinghi-fahren nicht zu Ihren Lieblingsaktivitäten gehört. Der Liegeplatz war dann jedoch … eine Boje im Wasser. Wir kamen nicht um ein Dinghi herum.

Nach einigen Überredungsversuchen schien der letzte erfolgreich gewesen zu sein. Yvonne kam mit an Land und wir konnten gemeinsam in Peters Geburtstag feiern. Im Restaurant Antichi Sapori haben wir mal statt der üblichen Tapas zu einem Italienischen Restaurant gewechselt und eine gute Pizza gegessen.

Nach diesem sehr schönen Abendessen ging es zurück zum Strand, wo unser Dinghi brav auf uns wartete. Zurück an Bord gab es noch ein leckeres Getränk. Danach waren wir reif für die Nacht.

 

Freitag – Törnbericht von Porto Petro nach Sa Ràpita

Porto Petro am Morgen von Peters Geburtstag. Yvonne hat über Nacht das Boot mit Geburtstags-Accessoires geschmückt. Als ich morgens als erster wach wurde, um direkt ins warme Wasser zu springen, musste ich mich zuerst durch den Geburtstags-Dschungel kämpfen.

Es war ein herrlich warmer morgen mit einer extrem ruhigen Bucht. Ich entschied mich mal endlich das Salzwasser Duschgel auszuprobieren und stellte fest, dass es gar nicht mal so schlecht ist. Allerdings habe ich mich lieber noch mal mit dem Wasser aus der Bordbrause abgeduscht.

Nach dem obligatorischem Frühstück an Bord, welches an diesem Morgen zu einem Geburtstagsfrühstück umfunktioniert wurde, legten wir von unserer Boje ab und verliessen den Hafen von Porto Petro, um uns auf den Weg nach Sa Ràpita zu machen.

An der südlichsten Spite Mallorcas, dort wo man schon die Insel Sa Cabrera sehen kann, schmissen wir eine Boje über Bord, um mal zu sehen, wie gut wir diese unter Segeln wieder einfangen können. Der Crew wurde ziemlich schnell bewusst, dass es auf eindeutige Kommandos, exakte Planung und präzises Handeln gehen muss, um ein über Bord gefallenes Crewmitglied wieder an Bord holen zu können. Bei einer über Bord gegangenen Boje kann das Mannöver des Einholen der Boje allerdings schon daran scheitern den Bootshaken falsch herum zu halten. Wenn der Haken in der Luft hängt, fängt man mit der Stange keine Boje.

Nach dem kleinen Ausflug in die Lehre des Bootsfahrens, nahmen wir wieder Fahrt auf und steuerten in Richtung Ses Covetes.

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Wir fanden den Strand extrem schön und blieben dort für ein paar Stunden. Anlässlich Peters Geburtstag haben wir es uns in der Strandbar gemütlich gemacht. Als dann der Nachmittag zu Ende ging und es steil in Richtung Abend ging, entschieden wir uns mit unserem Dinghi zurück zur Yacht zu fahren, um uns auf nach Sa Ràpita zu machen. Dort bekamen wir sehr schnell einen Liegeplatz und konnten die Duschen aufsuchen.

Am Abend waren wir im Hafenrestaurant zum Essen und gingen danach ziemlich schnell ins Bett, natürlich nicht ohne den Tag mit einem letzten Geburtstagsdrink an Bord zu beenden.

 

Samstag – Törnbericht von Sa Ràpita nach Palma

Unser letzter Segeltag brach an. Neben uns lag noch einmal die 2eternity of Sweden, welche an diesem Tag ihre Reise nach Ibiza antrat. Wir reinigten noch einmal das Deck des Schiffes und räumten nach einmal alles auf, bis wir dann die letzte Etappe antraten. Unser Plan war noch einmal vor Palma in S’Arenal halt zu machen und uns das Treiben am Stand anzusehen.

Als aur aus dem Hafen ausgelaufen sind, fiel mir auf, dass die Spritanzeige PingPong spielte und dauernd von voll zu leer hüpfte. Wir entschieden uns daher noch mal eben in S’Estanyol anzuhalten, um dort nachzutanken. Wir tankten sage uns schreibe 30 Liter. Da facto war der Tank demnach nicht leer. Sicher ist jedoch sicher. Also verliessen wir diesen Micro-Hafen mit einem guten Gefühl und machten uns auf den Weg nach S’Arenal.

Yvonne entschied sich nicht von Bord zu gehen, sodass wir nur zu dritt die Reise im unglaublichen Dinghi antraten. An der Promenade von S’Arenal nahmen wir einen Drink zu uns, liefen etwas umher und entschieden uns dann wieder diesen Fleck der Ere zu verlassen.Roblox Hack Free Robux

Zurück bei Yvonne erzählte sie uns, dass ein Motorboot kam, welches nach einem Geburtstagskind suchte. Im Nachhinein waren wir Yvonne dankbar, da es sich wahrscheinlich um ein paar Banausen handelte, die nicht ein Geburtstagskind, sondern eher ein paar Wertgegenstände suchten. Da Yvonne an Bord war, blieb ihnen der Zugang zum Boot jedoch verwehrt. Wir machten uns besser keine weiteren Gedanken und machten uns auf den Weg nach Palma.

Zu guter letzt setzte noch einmal ordentlich Wind ein, sodass wir mit Vollzeug schöne 6.5 Knoten Fahrt machten und somit leise und sicher in den Hafen von Palma de Mallorca einlaufen konnten.

Es war eine wundervolle Reise mit vielen schönen Momenten, die ich wahrscheinlich in ihrer Vielfältigkeit und Intensität nicht wiedergeben kann. Gelernt haben wir auf unserer Reise ein Menge. Vor allem, dass eine Umrundung von Mallorca mit einem Segelboot durchaus länger als eine Woche dauern darf, da man sonst jede Menge Strände verpassen wird und sich nicht jeden Tag die Zeit nehmen kann an einem beliebigen Strand Stundenlang zu verweilen.

Von |28. September 2015|Sailingblog|0 Kommentare

Über den Autor:

Geboren in der kleinen Stadt Datteln, aufgewachsen in der ebenso kleinen Stadt Waltrop hat es mich schnell in die große weite Welt gezogen. Irgendwo zwischen Dortmund, Ibiza und San Francisco bin ich hängen geblieben. Mein Herz hat sicher seine Aufhängung an allen drei Städten, da alle für mich ihren besonderen Charme haben.

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